Die anderen Geocoins – Investition oder Spielerei

 

Lust mal nen paar Geocoins zu kaufen und verkaufen? Mal so richtig Geld zu machen damit? Geocoins? Diese Metalldinger, die kurzzeitig gehyped wurden und die jetzt jeder wieder verkaufen will, obwohl die eigentlich keiner mehr mag? Nein, die doch nicht. Die Anderen, die richtig coolen, die Cryptocurrency Geocoins.

 

So, wer es bis hierher durchgehalten hat, bei dem hab ich hoffentlich soviel Interesse geweckt, dass er mir nen bissl Theorie am Anfang verzeiht.

 

Cryptocurrency. Was ist das eigentlich? Übersetzt heisst es Kryptowährung. Link zur Wikipedia ist gesetzt. Ich habe jetzt mehrmals versucht, es leicht, verständlich und vor allem kurz zusammenzufassen und bin jedesmal kläglich gescheitert.

Deshalb hier 3 Versionen, sortiert nach steigender Komplexität:

 

1) Ein rein digitaler, real nicht anfassbarer Wert, der nur mit relativ viel Aufwand und Glück und sehr limitiert, aber von Jedermann, geschaffen und bezahlt werden kann.

2) Stell dir vor du willst etwas kaufen. Das hat einen Preis. Diesen Preis musst du dafür zahlen, er stellt den Wert dar. Der Verkäufer erhält diese Menge an Geld als Gegenwert. Nun stell dir vor, du kannst mit etwas leicht zu Vervielfältigfachem bezahlen. Du kannst also schnell und vor allem viel davon selber machen. Du kaufst die Sache. Und noch andere Dinge. Weil du deinen Tauschwert ja selber erstellen kannst, bis quasi ins Unendliche. Je mehr du von deinem Tauschwert hast und in Umlauf bringst, desto weniger Wert ist es. Faustformel: Gibt es wenig von etwas, ist es mehr wert, als wenn es viel davon gibt.

Kryptowährung ist digitales Geld. Eine Zahlenfolge von Nullen und Einsen. Also theoretisch unendlich verfüg- und kopierbar. Hier kommt nun das Krypto ins Spiel. Krypto, übersetzen wir es mal mit „Verschlüsselung“, sorgt dafür, dass man eben nicht unendlich Nullen und Einsen aneinanderreihen kann und damit Geld schafft, es gibt mathematische Berechnungen vor, nach denen das Geld produziert wird. Je nach Komplexität der Berechnung kann Einfluss auf die Menge (Faustformel: je komplexer die Berechnung, desto länger dauert sie, desto kleinere Quantität) des verfügbaren Geldes genommen werden.

3) von Hypnotic-DD: Ich würde “Krypto” in dem Zusammenhang eigentlich erstmal nicht mit “Verschlüsselung” verbandeln. Denn das ist es ja eigentlich so nicht wirklich. Viel mehr ist es ja so, dass es da gar keine Geheimnisse gibt wer, wann, geschickt hat. “Gibt Mathematische Berechnungen vor” könnte man evtl. detailierter so beschreiben: Es wird eine (mathematische) Aufgabe gestellt deren Ergebnis eine bestimmte Form haben muss. Für das lösen der Aufgabe gibt es (derzeit) aber keinen anderen Weg als alle möglichen Kombinationen durch zu probieren bis das erforderliche Ergebnis heraus kommt (Einwegfunktion, Hash…). Wer also als erster die Ausgangswerte der Berechnung findet, die zum vorgegebenen Ergebnis führen, “gewinnt” und erhält als Belohnung einen in dem Moment neu geschaffenen Teil des Geldes. Für das “erzeugen” von Geld ist also statt früher zB Gold zu finden (auch schwierig) heute die Schwierigkeit, Rechenleistung für die möglichst schnelle Suche nach der Nadel im Heuhaufen aufzubringen (um erster zu sein). Teil der mathematischen Aufgabe ist es gleichzeitig ein immer weiter vortlaufendes “Logbuch” zu schreiben in dem steht wer, wann, wem, vieviel Geld “überwiesen” hat. Dieses “Logbuch” kann im Nachinein praktisch nicht mehr missbrächulich verändert werden, da dessen Inhalt ständig Teil der mathematischen Aufgabe ist. Würde jemand versuchen das “Logbuch” nachträglich zu manipulieren (“Ich habe die 10€ die du mir schuldest von dir nie erhalten!” obwohl es nicht stimmt), würde dies sofort auffallen, da in dem Moment sämtliche nachfolgende mathematischen Aufgaben nicht mehr zu den vorgegebenen Ergebnissen passen würden. Es würde also sofort auffallen, da mathematisch bewiesen ist, dass die Transaktion stattfand. (das ist dann das was man Blockchain nennt). Bestes Video (mit dem ich es irgendwie gefressen habe) ist IMO das hier auf der Seite: https://anders.com/blockchain/ . In dem Beispiel diesen Hashwert zu finden der mit 4 Nullen beginnt. Das ist im Prinzip die Aufgabe für die Miner. Kann man nicht abkürzen, muss man durchprobieren, die Transaktionen (A gibt B Drei Mark Fuffzig) sind mit rein gerechnet und für immer und ewig in der Kette sonst stimmt auch in hundert Jahren die Rechnung nicht mehr.

 

 

 

Von diesen Cryptocurrencys gibt es ziemlich viele, am Populärsten bekannt sein dürfte Bitcoin, Ethereum und XRP. Und um genau eine dieser Währungen dreht sich dieser Artikel, nämlich um die Geocoin. Offizielle Abkürzung dafür ist GEO.

Was ist das nun genau? Im Prinzip erstmal dasselbe wie jede andere dieser Währungen. Ein digitale Währung, die von jedem „geschöpft“ werden konnte, der dafür Rechenkapazität zur Verfügung stellte. Wieso Vergangenheitsform? Weil das Ganze gerade auf Eis liegt. Hier mal ein Bild der Roadmap, also was wann geplant war:

 

http://geo.money/images/geo_roadmap.png

 

Denn irgendwie wurde es nach der „Annahme der Währung“ in den einschlägigen Börsen im Februar 2015 um die Sache sehr, sehr ruhig.

 

 

Es wurde zwar einiges an Geocoins „geschöpft“,

 

 

der aktuelle Umlaufwert liegt wohl bei ~2,9Mio Dollar (bei aktuellem Tageswert von 0,926Dollar dürften also ~3,1317Millionen Geocoins durch das Internet geistern), aber meines Wissens nach kam es nie zum wirklich offiziellen Launch der App. Bis heute wird auf der Geocoin Homepage zwar ein Download angeboten, dabei handelt es sich aber um eine Art Portemonnaie-App (UBQ Fusion Wallet) zur Verwaltung im Besitz befindlicher Cryptocurrencys.

Wenn man sich die Roadmap genauer anschaut, speziell den Teil mit der App, wird es interessant, weil hier kommt das ins Spiel, was die Währung einzigartig macht und die Entwicklung der App wahrscheinlich auch kompliziert. Denn die Macher wollen hoch hinaus. Mit Geocoins soll nämlich nicht nur gehandelt werden, man soll mit ihr spielen können.

 

 

Kurzübersetzung:

– Android und iOS Versionen

– Kamera Perspektive Kontrolle (wahrscheinlich im Sinne von Argumented Reality)

– erweiterte Kartendarstellung/Stile

– In-App Navigation zu nahen Geocoins

– Geocoins die nur in bestimmten Einrichtungen gefunden werden können

– Auszeichnungen für Geocoin Jäger und Statistiken

 

Nun kann man sich fragen, wieso da irgendwelche Kartendarstellungen wichtig sind. Ganz einfach, und das erklärt auch das GEO im Namen. Wenn man Geocoins in seinem (virtuellen) Besitz hat, kann man sie irgendwo ablegen. Und jemand anderes kann kommen und sie finden und aufsammeln. Dazu gibt es, dem Geocaching gleich, eine Weltkarte, die stetig aktualisiert die Geocoins auf der Welt anzeigt. In Berlin zum Beispiel liegen 4 Geocoins im Treptower Park.

 

 

Der aktuell grösste „Geocoin-Schatz“ liegt bei Madison, Wisconsin, USA, dort sind 50 Geocoins (Gegenwert aktuell ~46Dollar) abgelegt worden, ebenso in Denver, bei Waterloo in Iowa, USA.

 

 

 

Die Karte gibt keinerlei Hinweise, wer das da hingelegt hat, wie lange es liegt oder vielleicht so im Geocache-Listing Stil, warum das (gerade) da liegt. Es ist einfach da. Und loggt man sich auf der Seite ein, bekommt man die Weltkarte gar nicht mehr angezeigt, dafür einen Hinweis, dass die App noch „Under construction“ ist.

 

 

 

Angedacht ist nun, die App zu starten, zu dem Punkt, auf dem die Geocoin liegt hin zu navigieren und sie dort einzusammeln. Oder eben irgendwo welche abzulegen.

 

Warum? Ganz ehrlich und offen, ich habe keine Ahnung.

Klar, man kann sagen es ist eben ein Spiel. Jemand versteckt etwas, veröffentlicht die Koordinaten, ein Anderer geht hin und findet es. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Nur das es hier scheinbar nicht um tolle Orte oder Versteckmöglichkeiten geht. Das mit den Orten kann sicherlich vorkommen, aber ich sehe keinen Anreiz, den das Spiel dafür schafft.

Mir entgeht auch, wieso das Ganze direkt mit etwas so monetärem wie einer Währung, quasi direkt Geld, passieren muss. Klar, auch beim Geocachen kostet die Dose, Logbuch und Stift Geld, aber das bleibt laut Spielziel vor Ort, es dient also Mehreren. Bei Geocoin geht einer hin, sammelt das Geld ein, fertig.

Von Seiten der Suchenden kann das ein spannendes Spiel sein. Ich würde nur prognostizieren, dass sich die Menge an “Versteckern/Ablegern” sehr begrenzt hält.

 

 

Neben den theoretische Parallelen zum Geocaching haben die Macher übrigens noch eine ganz plastische Brücke geschlagen. Sie haben, als Promotion, „echte“ Geocoins produzieren lassen. Das Ding ist sogar offiziell von Groundspeak abgesegnet worden, unter der Coin ID 8777 findet man die „Geocasher Geocoin“ mit eigenem Icon. Davon kreisen aktuell mehrere um die Welt, 7 an der Zahl. Allerdings hat der Owner 14 davon unterwegs (und wenn ich mir das Bild im Listing anschaue, scheinen da noch ein ganz paar auf Halde zu liegen), einen gewissen Schwund gibt es also auch hier.

Und wie es der Zufall so will, war eine der Coins, die Nummer 5, gerade in greifbarer Nähe und Dank einem befreundeten Cacher konnte ich sie mir „zu Recherchezwecken“ sichern.

 

 

 

 

 

Wer jetzt denkt, dass diese Geocoins Cryptocurrency Sache tot ist, der irrt gewaltig. In unserer Geocoin Deutschland Telegram Gruppe (Thema sind die “richtigen” Geocaching Geocoins) tauchen immer wieder mal Leute auf, die genau aus diesem Grund der Gruppe beitreten. Hier mal ein paar Beispiele:

 

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