Alle Jahre wieder… – Archivierungslogs – Natur nutzen ohne sie abzunutzen???

Alle Jahre wieder tauchen Archivierungslogs auf, aus denen mehr hervor geht wie „Platz für Neues“ oder „Ich bin umgezogen und kann mich nicht mehr kümmern“. Da wird dann Kritik geäussert, Kritik an der Entwicklung des Spiels, das Spielverhalten einzelner Spieler oder der individuellen Regelauslegung durch die Selbigen.

Meist wird das so als Wut- oder Frustnachricht empfunden, irgendjemand fühlt sich ungerecht behandelt und versucht nun nochmal ein Zeichen zu setzen, „auf die Kacke zu hauen“ oder irgendwie nachzutreten. So ist das halt mit unserer subjektiven Wahrnehmung. In unserem Weltbild sind wir der Nabel und irgendwie hat es alle zu interessieren, was wir zu sagen/denken/fühlen haben. Sagen/denken/fühlen wir.

Doch manchmal taucht so ein Log auf, bei dem zwar das vorherig Geschriebene auch zwischen den Zeilen zu lesen ist, der aber dann doch besonders ist, weil er nicht den (frustrierten) Spieler in den Mittelpunkt setzt, sondern etwas anderes. Und so war es diesmal der Fall, denn im Eingangs erwähnten Archivlog geht es ganz klar um den Umweltschutz bzw die Rücksichtnahme mit der Natur. Und das nicht nur in Form von „Geocaching macht Wald kaputt, Geocaching Doof“, es wird detaillierter beschrieben, was da gerade verkehrt läuft:

 

Ich habe mich entschlossen damit zu beginnen meine Caches zu archivieren, da sie entweder meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen oder aber mit meinem Naturschutzgedanken nicht mehr vereinbar sind.

Leider ist der Weg schon lange nicht mehr das Ziel, sondern die Statistik, einem virtuellen Königsthron, zu deren Pflege und Aufwertung z. T. völlig rücksichtslos versteckt und gesucht wird.

Aktionen wie Baumstümpfe zerlegen, Moosteppiche ausreißen, Bäume anbohren, Nistkästen ausräumen, alte Bäume als T5 Spielplatz missbrauchem, Brücken bedosen unter denen Wasseramseln nisten, Felsen bekletteren an denen Uhus brüten und Winterruhe in Höhlen ignorieren, sind leider mittlerweile schon die Klassiker! Die Liste ist genauso lang wie unerträglich!

Ich bezahle Jahresbeitrag an ein Unternehmen, dass mir Regeln vorsetzt die u. a. festlegen, dass ich mich auf einem Event in einem Wirtshaus einfinden muss und ich mich dort über grüne Frösche mit Tracking Codes zu unterhalten habe und dass eine geologische Besonderheit kein Wasserfall oder Findling sein darf. Evtl. sollte sich dieses Unternehmen aber eher Gedanken darüber machen ob PowerTrails, Nachtcaches und T5 Bäume in Naturschutzgebieten nicht generell zu verbieten sind und zwar restlos auch nicht an Wegen!
Mit einer derartigen Guideline würde man aber leider die zahlende Kundschaft verärgern und den Wirtschaftszweig Geocaching gefährden.

Groundspeak mausert sich zum größten Müllverursacher unserer Wälder, weil es sich zwar viele Regeln für seinen Schrebergarten ausgedacht hat, diese aber leider nur kommerziellen Interessen dienen.

Ob einer von Groundspeaks Nutzern nach einer Archivierung die 200 Plastikdosen auch jemals wieder einsammelt die er in Astlöcher und Felsen gesteckt hat, dürfte euch kaum interessieren! Hauptsache die 29,99 EUR sind überwiesen.

Mit viel Frust geht ein ehemals schönes Hobby aus meinem Leben!
-Tharandter

Quelle Archivierungslog

 

Das Thema bzw der Grundtenor des Logs sorgte in der lokalen WhatsApp Gruppe für Diskussionsstoff. Einige sahen darin den Versuch, den Geocachern ein schlechtes Gewissen einzureden, andere relativeren das oder fragen ganz direkt, ob es denn bei anderen Hobbys anders sei.

 

 

 

 

Im Grunde kann man wohl nur sagen, die Wahrheit liegt irgendwo zwischen all dem. Kann man „Natur nutzen, ohne sie auszunutzen“? Wieviel Geocaching verkraftet die lokale Natur? Und reicht der Appell an das gute Gewissen jedes Einzelnen aus, um möglichst schadlos zu cachen? Oder braucht man zwingend eine übergeordnete, regulierende Instanz, die Regeln festlegt, überwacht und ggf mit Sanktionen reagiert? Und wenn ja, wer macht bzw kann sowas? Kommentare dazu sind herzlich willkommen.

 

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