GPS Geräte – Wohin geht der Weg?

 

Wenn heutzutage die Frage nach GPS oder Smartphone gestellt wird, polarisiert das stark. Argumente finden sich bei Vertretern beider Lager. Gerne wird zum Beispiel die Aktualität der Smartphones ins Feld geführt. Durch die (übliche) 2jährige Dauer der Mobilfunkverträge hat es sich etabliert, den Kunden nach eben dieser Frist mit einem neuen, subventionierten Smartphone zu ködern erhalten. Dabei werden natürlich kaum die alten Modelle angeboten, wer will schon 2 Jahre alte Technik, da wird mit dem aktuellen Kram gelockt. Und somit scheint dieser Markt doch recht gut aktuell gehalten zu werden.

Wie sieht das jetzt bei den GPS Geräten aus? Generell ist erstmal zu sagen, dass wir, nicht (mehr) von GPS Geräten reden sollten. Die aktuellen Modelle können nämlich mehr als GPS. GLONASS, Galileo und Beidou sind teilweise mit an Bord. Also korrekterweise müssten wir von GNSS (Globales NavigationsSatellitenSystem) Geräten sprechen.

 

Doch wer sind da die Anbieter? Der erste, der ein handliches GPS Gerät marktreif und verkauft hatte war Magellan. 1989 begannen sie mit dem Verkauf des NAV 1000. Es folgten mehrere Gerätereihen und den „Höhepunkt“ gerade für uns Geocacher sehe ich bei dem Magellan eXplorist GC. Wie sich unschwer erkennen lässt, das GC steht für Geocaching und genau das war die Zielgruppe. Im Lieferumfang war damals enthalten, dass auf dem Gerät papierloses Geocachen möglich war und dazu schon die Daten von ein paar Geocaches mit drauf. Als kleine Beigabe (und in Kooperation mit Groundspeak) gabs zu dem Gerät bei Neukauf eine 30tägige Probe Premiummitgliedschaft für geocaching.com. Eigentlich könnte man sagen, alles richtig gemacht. Es kam im Frühjahr 2010 auf den Markt, also gerade vor dem grossen Peak unseres Hobbys. Es war handlich, die Batterieversorgung war mit 2 AA gut gesichert, es hatte für damalige Verhältnisse die aktuelle Technik verbaut und die Leistung stimmte auch, ebenso wie das Preis/Leistungsverhältnis. Empfohlen waren damals 199Dollar, schnell pegelte sich der Preis für ein Neugerät aber bei 130-150Dollar ein. Und trotzdem setze es sich auf dem Markt nicht durch.

 

 

 

Mitte 2012 brachte Medion (nach 2 recht unbekannten und kaum beachteten Vorgängermodellen) das GoPal S3857. Für 179Euro damals ein sehr gutes Preis Leistungsverhältnis. Jedenfalls was die verbaute Hardware anging. Probleme bereiteten die Software und der fest eingebaute Akku war ein grosser Kritikpunkt. Bei den Konkurrenzprodukten konnte man im Feld bei leerer Batterie neue einlegen, hier war das nicht möglich. Beim Nachfolgermodell GoPal S3867 reagierte man auf die Kritik. Man konnte ab sofort mit 2 wechselbaren AA Akkus arbeiten. Die Geräte waren gut, preiswert und hatten eine deutlich sichtbare Entwicklung, was ihnen wohl aber auf die Füsse fiel waren das (relativ) späte Erscheinen auf dem Markt und die generelle Abwärtsentwicklung der Firma. Man hatte sich vertriebstechnisch an grosse Einkaufsketten gebunden und war deren “Schneller, Billiger und Einfacher” – Verkaufsstrategie auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. 2014 schob man noch ein Nachfolgemodell in den Handel, dass erstaunlicherweise wieder mit integriertem Akku arbeitete, aber auch dessen Erfolg blieb sehr, sehr überschaubar, womit die Ära der Medion „Outdoor GNSS Geräte“ dann endete.

 

 

Ein weiterer Anbieter ist Falk. Soweit ich das recherchieren konnte übernahm die Reiseverlagsgruppe MairDumont 1998 die Falk Verlagsgruppe, gründete 2000 als Tochterunternehmen eine Firma namens United Navigation, die 2010 die Markenrechte für Becker-Navigationsgeräte übernahm. Im Februar 2011 kam das Ibex30 auf den Markt, im März 2012 folgte die Gerätereihe Lux (Lux30).

 

 

Preis/Leistung war wohl nicht so gut, aber die verbaute Technik war aktuell. Hinzu kamen ein paar Features (Trackrouting…), die bis dato konkurrenzlos waren. Auch Geocacher standen als Zielgruppe im Fokus (es wurde mit papierlosen Geocaching geworben). Es gab ein paar Softwareprobleme, die Ablesbarkeit des Displays bei Sonnenschein wurde beklagt und eine recht kurze Akkulaufzeit attestiert. Auch war das Angebot an Karten sehr übersichtlich. Aktuell ist Falk mit der Tiger Serie am Start und für 2018 ist ein neuer IbexTrail angekündigt, womit diese Reihe dann ins 7 Jahr geht.

 

 

Der Martkführer aber ist Garmin. 1989 gegründet kann man die Firmengeschichte wohl als „schillernd“ bezeichnen. Im Wikipedia Artikel kann man einiges dazu lesen, interessant finde ich auch diesen Zeitungsbericht. Wie dem auch sei, Garmin hat sich seine Sporen durch die schnelle und gute Miniaturisierung von GPS Empfängern verdient. Breit aufgestellt scheint wohl gerade die Fitness Sparte gute Umsätze zu erzielen (Liebe Grüsse an dieser Stelle übrigens nach Bad Oldesloe, entblock mich mal bei Twitter wieder 😉 ).

Aber zurück zu Garmin. 1991 brachten sie die ersten handlichen GPS Geräte raus, GPS50. Es folgten viele weitere, für uns Geocacher wurde es dann aber erst 2000 richtig interessant. Mit der Abschaltung der Selective Availability am 2.05.2000 und dem kurz darauf folgenden Start vom Geocachen wurde ein neuer Markt geschaffen, der nach GPS Geräten schrie. Kurz zuvor wurde die eTrex Reihe gestartet, mit den Venture, Legend und Vista Modellen ab Anfang 2001 verfügbar, waren wohl die ersten „Massenmarkt GPS Geräte“ unterwegs. Was folgte waren die Modellreihen GPSmap, Colorado, Oregon, Dakota, Montana, Monterra und inReach. Erstaunlicherweise fand Ende 2015 sogar ein neues Modell einer der alten GPS Reihe eine Neuauflage. Allerdings richtet sich das GPS73 wohl ganz klar an den Segelsportbereich.

Ich glaube der Erfolg der Garmin Geräte lag in mehreren Faktoren begründet. Es war der richtige Zeitpunkt, die Technik war zum damaligen Stand aktuell, das Preis/Leistungsverhältnis stimmte, man sprang recht zeitig auf den Zug mit den Touchdisplays auf, die Marketingstrategie für die Geocacher war gut und richtig gewählt (massiver Eventsupport inklusive eigene Coins…), die Verbindungsmöglichkeiten mit Rechner (USB) und die mit wenigen Klicks mögliche Portierung von Geocachedaten war einfach und was ich für ganz entscheidend halte, die Möglichkeit der relativ einfachen Nutzung von (freien) OSM Karten. Also umsonst (aktuelles) Kartenmaterial auf das Gerät zu bekommen.

 

Ich werde jetzt nicht lange schreiben, wann was rauskam, ich verweise an dieser Stelle einfach mal auf die schöne und detaillierte grafische Übersicht der Wikiseite dazu:

 

Wenn man sich diese Übersicht nun so anschaut, erkennt man eine Art Muster, was die Laufzeit der Modelle angeht. So circa 3 Jahre werden mit (meist verschiedenen) Versionen eines Modells abgedeckt. Spitzenreiter ist hier sogar ganz klar das GPSmap 78, dass seit Anfang 2010 in nur 3 Versionen auf dem Markt ist.

Die Reihen Colorado, Dakota und Monterra scheinen eingestellt zu sein. Für das eTrex müsste es, folgt man der (von mir aufgestellten) 3-Jahres Regel in Kürze eine Neuauflage geben. Das GPSmap 64 wäre auch fällig. Beim Oregon steht noch ein Jahr das 700er im Raum, das Montana sollte Mitte 2018 den Nachfolger erleben. Und wohin der Weg mit dem inReach gehen soll, eigentlich mehr eine „Kommunikation-vom-Hintern-der-Welt“ + Navigationsgerätelösung (die ich liebend gerne mal testweise in die Finger bekommen würde!), dass weiss wohl momentan auch noch keiner.

Die Frage ist ja auch, wie geht Garmin mit dem „absteigenden Ast“ Geocaching um? Irgendwo hörte ich mal, dass man sich dort durchaus der sinkenden Umsatzzahlen aus diesem Bereich bewusst ist. Inwieweit investiert man noch da rein oder setzt ganz klar auf andere Schwerpunkte wie zum Beispiel Wandern oder Outdoorsachen (Biking, Rafting, „Outdooring…)?

 

Klar brauchen wir Geocacher eine Navigation, aber durch das Hinterlegen der Daten, der Geocache Listings, im Internet, da ist natürlich eine Lösung, die eine Internetverbindung ermöglicht, von Vorteil. Sprich das Smartphone. Der einzig halbwegs konsequente Versuch, das umzusetzen, das Monterra, floppte ja so ziemlich. Zu teuer, zu unausgereift, die Onlinefunktion (aus Gründen!) nur halbherzig umgesetzt. Ich bilde mir ein, gehört zu haben, dass Garmin mal veröffentlichte, an einer neuen, „diesmal richtigen“ Version des Monterras zu arbeiten, weg von Android, hin zu einem wirklich eigenen, optimiert und angepassten Betriebssystem. War das ernst gemeint, kommt da noch was oder wurden diese Pläne schon wieder verworfen?

 

 

Und was wird in den neuen Geräten auf uns zukommen? Die Genauigkeit könnte man verbessern, klar. Aber mal Hand aufs Herz, für unseren Sport-Hobby-Bereich, wir erreichen 3-5Meter. Brauchen wir es wirklich noch genauer?

Ok, man könnte an einem schnelleren GPS Fix (wenn man das Gerät einschaltet dauert es, bis die Satellitensignale aufgenommen und zu einer Positionsbestimmung verarbeitet wurden) arbeiten. Man könnte auch den negativen Einfluss von Fehlerquellen (Wolken, Bäume, Signalreflexionen durch Häuser/Berge/…) immer weiter verkleinern. Oder an einer grösseren Energieeffizienz, also längere Laufzeit, arbeiten. Aber mal ehrlich, das sind doch alles recht kleine Verbesserungen, die im Laufe der Zeit und der technischen Entwicklung eh kommen. Die aktuellen Geräte arbeiten ja nun schon mit mehreren GNSS Systemen. Der Chip in meinem aktuellen Smartphone kann die 4 grossen GNSS Spieler. Das wird dann wohl in den neuen Garmins auch auf uns zu kommen.

Was wird der nächste grosse Kick in der Entwicklung, wird es etwas revolutionär Neues geben? Oder arbeitet man weiter an der „Verwaltung und Verbesserung des schon Etablierten“?

 

 

Schreibe einen Kommentar